Diabetes & Tattoos

Es wird viel darüber diskutiert, ob man sich mit einer Diabetes Erkrankung ein Tattoo stechen lassen sollte. Denn das Stechen und die Wundheilung können bei einem Menschen mit Diabetes komplizierter verlaufen. Grundsätzlich lässt sich aber sagen: Ja, ein Tattoo bei einer Diabetes Erkrankung ist möglich. Es gibt sogar “Diabetes Tattoos”, die Leben retten können und es wird an Smart Tattoos geforscht, die dir vielleicht eines Tages deinen Blutzuckerspiegel auf der Haut anzeigen können.

Wir informieren dich über alles Wichtige zum Thema Tattoos und Diabetes in diesem Artikel. 

Tattoos retten Leben

 

Ein Tattoo bei Diabetes

Wenn du Diabetes hast und dir ein Tattoo stechen lassen möchtest, musst du deinen Körper gut kennen, Vorbereitungen treffen und dich mit einem/einer Ärt*in und dem/der Tätowierer*in gut absprechen. Erzähle dem/der Tätowierer*in von Anfang an, dass du Diabetes hast, damit er/sie sich darauf einstellen kann, dass du während und vor dem Stechen deinen Blutzuckerwert kontrollieren musst und mehr Pausen (in denen du auch etwas essen kannst) brauchst als Menschen ohne eine Diabetes Erkrankung. Vor dem Stechen solltest du darauf achten, langkettige Kohlenhydrate zu dir zu nehmen, denn diese bleiben lange im Blut und halten den Blutzucker stabil. Vielleicht musst du jedoch trotzdem Insulin zu dir nehmen. 

Beim Stechen und der damit verbundenen Verletzung der Haut wird im Körper Adrenalin und Kortison ausgeschüttet, der Körper steht unter Stress, wodurch der Blutzucker steigen wird. Du solltest wissen, wie sich Stress auf deinen persönlichen Blutzucker auswirkt. Denn es kann sein, dass du eine Überzuckerung nicht bemerkst, da das Adrenalin Symptome einer Unterzuckerung auslöst. In Blutzuckerkrisen solltest du keinen Tattootermin wahrnehmen – lieber etwas warten und auf Nummer sicher gehen. 

Hast du den Tattootermin geschafft, folgt nun die Wundheilung, für die du dich schon davor wappnen musst. Diese kann bei Diabetikern länger dauern, besonders bei zu hohen Blutzuckerwerten kann es zu Komplikationen kommen. Denn die schwankenden Blutzuckerwerte verändern die Blutgefäße, wodurch die Durchblutung schlechter wird. Während der Wundheilung musst du deine Blutzuckerwerte besonders im Blick haben und dich darauf einstellen, dass die Wundheilung doppelt so lange dauern kann wie bei einem Menschen ohne Diabetes.

Das Diabetes Tattoo

Ein Tattoo bei Diabetes kann jedoch nicht nur ein Gesundheitsrisiko sein, sondern auch ein Lebensretter. Die Rede ist vom sogenannten “Diabetes Tattoo”. Ein blauer Kreis mit einem schwarzen T1 oder T2 in der Mitte und der Unterschrift “Diabetic”. Die Idee ist in Zusammenarbeit des Tattoostudios “Rock Tattoo” und ungarischen Ärzt*innen entstanden. Hier und in 26 weiteren Studios (zu finden unter lifeguardtattoo.com) wird das Symbol gestochen – kostenlos. Das Tattoo soll in Extremsituationen darauf aufmerksam machen, dass die Person Diabetes hat. Denn Menschen mit Diabetes können bei Unter- oder Überzuckerung zusammenbrechen und sind auf schnelle Hilfe angewiesen. Jedoch wirken Betroffene gerade bei einer Unterzuckerung leicht als wären sie betrunken und bekommen dadurch nicht die Versorgung, die sie unbedingt brauchen. Das Diabetes Tattoo wird daher auf den linken (oder auf den rechten, falls links nicht mehr frei ist) Unterarm tätowiert, sodass es für Rettungskräfte beim Puls messen sichtbar ist. Das Diabetes Tattoo sorgt für gespaltene Meinungen. Auf der einen Seite fühlen sich viele Patient*innen sicherer und es gibt Erfahrungsberichte, dass es durch das Tattoo zu einer schnelleren Hilfe kommen konnte. Manche Ärzt*innen halten das Tattoo jedoch für wenig sinnvoll, da bei einer professionellen Rettung sowie der Blutzuckerwert gecheckt werden würde – und das würde durch ein Diabetes Tattoo auch nicht schneller gehen. Thomas Jarausch, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der in Bayern tätigen Notärzte gibt in der “Süddeutschen” zudem zu bedenken, dass das Tattoo eine/einen Notärzt*in auf die falsche Fährte kommen lassen könnte, da die betroffene Person auch bei Diabetes aus anderen Gründen einen Zusammenbruch haben kann. Es gibt also beide Meinungen zum Tattoo und ein Diabates Tattoo kann auch dafür da sein, deine Erfahrungen mit der Krankheit zu verarbeiten.

 

Biosensing Tattoos für Diabetiker*innen 

Ein Blick in die Zukunft: Du schaust auf dein Tattoo – eine Blume, ein Tier, ein Schriftzug – und siehst an der Farbe des Tattoos, wie dein Blutzucker gerade ist. Science Fiction? Nicht ganz. Denn Forscher*innen am Massachusetts Institute of Technology und der Harvard Medical School haben eine Möglichkeit gefunden, wie Tattoos den Blutzuckerspiegel durch Verfärbung der Tinte anzeigen können. Das Problem: Die Tattoos wurden bisher nur bei Schweinen getestet und es ist noch ein langer Weg, bis diese in der Praxis eingesetzt werden können. Aber wie würde das Ganze überhaupt funktionieren? Das Geheimnis ist die Tinte, die Derman Abyss Ink, welche vier verschiedene Biosensoren Typen enthält. Biosensoren bestehen aus einem biologischen Material, welches in der Haut mit chemischen Bestandteilen in der Gewebeflüssigkeit reagiert, wodurch eine Verfärbung ausgelöst werden kann. Die Gewebeflüssigkeit enthält unter anderem Zucker, die Zusammensetzung der Gewebeflüssigkeit hängt mit der des Blutes zusammen. Die vier Typen der Biosensoren reagieren jeweils auf: Den pH-Wert (eine Änderung des pH-Wertes kann auf eine Ketoazidiose oder Dehydrierung schließen), die pH-Änderungen unter UV Licht, die Glucose-Menge (Blutzucker) und die Natrium-Ionen (ein Anstieg der Ionen kann für Bluthochdruck stehen). Bei einer Erhöhung des Glucosespiegels würde die Tinte beispielsweise von Blau zu Braun wechseln. Neben der Wirksamkeit beim Menschen muss jedoch auch daran gearbeitet werden, dass die Biosensoren zuverlässiger messen. Wir sind gespannt, ob die Biosensing Tattoos in naher Zukunft zum Einsatz kommen…